BONDING-PSYCHOTHERAPIE

Die Bonding-Psychotherapie ist ein therapeutisches Konzept, das Dan Casriel, Psychiater und Analytiker, in den 60er Jahren begründete. In Deutschland wurde er in den 70er Jahren bekannt durch die Zusammenarbeit mit dem damaligen Chefarzt der Psychsomatischen Klinik Bad Herrenalb Dr. Walther Lechler.

Dr. Konrad Stauss, ehemaliger Chefarzt der Psychosomatischen Klinik Grönenbach, entwickelte und differenzierte die Bonding-Therapie weiter auf der Grundlage der Bindungstheorie, der modernen Hirnforschung und des Prozess- und Erfahrungsansatzes von Greenberg (1984) und Elliot (1999).

Im Mittelpunkt dieses prozess- und erfahrungsorientierten Therapieansatzes steht die Befriedigung der lebensnotwendigen und neurobiologisch verankerten psychosozialen Grundbedürfnisse nach Bindung, Autonomie, Selbstwert, nach körperlichem Wohlbehagen, nach Lust und Lebenssinn. Im Bonding-Prozess werden die Verletzungen innerhalb unserer Bindungen zu unseren Eltern, Geschwistern und anderen prägenden Bindungspersonen aktiviert, und die damit verbundenen Gefühle, negativen Einstellungen, körperlichen Blockierungen und zerstörerischen Verhaltensmuster durchgearbeitet. Dies geschieht in der Erfahrung von emotionaler Offenheit und wo dem Patienten möglich, in mitvertrauensvoller, geschützter körperlicher Nähe zu einem anderen Menschen.

Vielen unserer Teilnehmer ist diese so verstandene Nähe unvertraut oder gar mit angstvollen Gedankenerinnerungen verbunden. Dafür haben wir Therapeuten vom DCI für unsere Workshops „Annäherungsübungen“ entwickelt.  Alle Teilnehmer profitieren davon. Den individuellen Bedürfnissen nach Nähe und Entfernung, also nach Schutz, wird so Rechnung tragen.

Der Teufelskreis von Beziehungssehnsucht, Beziehungsenttäuschung und Beziehungsvermeidung wird auf tiefster Ebene körperlich, emotional und sprachlich nachvollziehbar gemacht und unterbrochen. Neue positive Einstellungen und der Realität angemessene Verhaltensweisen werden erarbeitet und in der therapeutischen Gemeinschaft eingeübt und verstärkt. Ob mit wechselseitigem Halten und Näheübungen  (Bonding), mit anderen körpertherapeutischen Techniken oder im Rahmen einer Einstellungsgruppe gearbeitet wird, hängt vom einzelnen Klienten und der Gruppe ab. Stabilisierungstechniken, Ressourcenentwicklung, Arbeit mit inneren Kindanteilen, Imaginationsübungen werden zur Integration der Erfahrung eingesetzt.

Obwohl sich unsere Arbeit in den letzten 20 Jahren in vielem verändert und weiterentwickelt hat, bleiben wir unserem Lehrer Dan Casriel verbunden, vor allem seiner immer noch zutreffenden Analyse der "Emotionalen Mangelgesellschaft", mit ihren Folgen für die Menschen: Einsamkeit, Verzweiflung, Gefühllosigkeit und Beziehungslosigkeit. Denn Menschen, die gehalten, angeschaut und angehört werden, die sichere Bindungen eingehen und vertrauensvolle Nähe zu anderen aufbauen können, sind belastbarer in Krisen und widerstandsfähiger gegenüber Erkrankungen, Süchten oder destruktivem antisozialem Verhalten.